Hunderte Menschen wandern jedes Jahr an die Costa del Sol aus, um ein neues Leben zu beginnen
Hunderte Menschen aus dem Ausland verlassen jedes Jahr ihr Heimatland, um sich in der Provinz Málaga niederzulassen. Sie lassen ihre Arbeit, Familie und Freunde zurück. All dies opfern sie für ein neues Leben.
MÁLAGA ist seit Jahren das Ziel von tausenden europäischen Bürgern, die alles zurücklassen, um sich an versteckten Plätzen der Provinz niederzulassen. Überwältigt von der Landschaft, dem Klima und den Leuten, zweifeln sie nicht daran, die Herausforderung, ihrem Leben eine radikale Wendung zu geben, anzunehmen und ihren Besitz, ihre Familie, Freunde, ihr Leben und ihre Arbeit zurückzulassen.
Jeder trägt seinen eigenen Koffer voller Vorstellungen und Projekte bei sich. Alle halten die Provinz für ein Paradies, in dem sie ihre Träume verwirklichen möchten.
Die meisten von ihnen sind mehr oder weniger unternehmenslustig, gründen ihre eigenen Unternehmen und üben eine Tätigkeit aus, die sie privat und beruflich zufriedenstellt. Es ist eine Aufgabe, die sie sehr viel Anstrengungen und Hingabe kostet.
Für die meisten ist es kein großes Problem, dass sie die Sprache nicht können. Während ältere Menschen sich häufig aufgrund ihres Alters weigern, ist es für junge Menschen kein Problem, Spanisch zu lernen und sich zu integrieren. Die Holländerin María Kupers wurde nach nur drei Monaten in Cómpeta zur Stadträtin gewählt und bringt nun Ausländern Spanisch bei.
Hinter jedem Projekt und jeder langen Reise, die diese Menschen angehen, steht auch der Wunsch ein angenehmeres und stressfreieres Leben zu führen, in dem man mehr Zeit für die Familie und Freunde hat und ein besseres Klima mit Sonne, Meer und Bergen genießen kann. Zumindest ist das der Traum von Christophe Van Mol, ein junger belgischer Unternehmer, der hofft, seine Arbeit und Freizeit in Spanien mit Erfolg unter einen Hut bringen zu können.
Eine privilegierte Lage
Für die meisten hat die Provinz Málaga eine privilegierte Lage. Sie verfügt über weite Badestrände am Mittelmeer und zur selben Zeit über Gebirgsketten. Natalie Gray und Matthew Rideout, Manager und ein Paar aus London, haben sich in Nerja niedergelassen. «Wir können an den Strand gehen und in weniger als einer Stunde in einer lebendigen Stadt wie Málaga oder in einem einsamen Dorf in La Alpujarra sein oder auch Ski fahren gehen», versichern die Engländer.
Die Hälfte aller Immobilienfirmen in Nerja führen Ausländer, zum Großteil Engländer, und etwa 30% der Geschäfte entfallen auf die Einwohner. Die hohen Preise für den Grund und die Wohnungen sind kein Hindernis, um seinen Traum zu verwirklichen, auch wenn sie den Weg dorthin erschweren. Auch die Deutschen Thekla Kurpjuweit, Peter Knacke und Ragna Protzen, die eine Firma zum Anbau und Vermarktung von essbaren Kräutern und Pflanzen gegründet haben, sind sich der hohen Preise bewusst. Sie mussten mehrere Beetfelder in Canillas de Aceituno pachten, da sie sich ein eigenes Grundstück nicht leisten konnten.
Tekla Kurpjuweit, Peter Knacke und Ragna Protzen aus Deutschland
“Wir möchten die Lieferanten des Königshauses werden.”
Thekla Kurpjuweit, Peter Knacke und Ragna Protzen entschieden sich eines Tages im Oktober 2004 Bremen (Deutschland) zu verlassen, um ihr eigenes Projekt einer Unternehmensgründung in Canillas de Aceituno zu lancieren, in einem kleinen Dorf des Bezirkes Axarquía im Naturpark Sierras de Tejeda-Almijara. Die berufliche Unzufriedenheit, unter der die Ehe von Thekla und Peter litt, die beide Betriebswirtschaftslehre studiert haben, und die dermatologische Erkrankung ihrer Tochter führte schließlich dazu, dass sie ihre Zukunft neu gestalten und ein neues Leben beginnen wollten.
Thekla arbeitete in einem internationalen Internetunternehmen und Peter war Stellvertreter des Geschäftsführers in einem Konzern, nachdem er 10 Jahre in einer Bank gearbeitet hatte. Ein Artikel in einer deutschen Zeitschrift über eine Gärtnerei, in der aromatische und essbare Pflanzen und Wildkraut angebaut werden, brachte sie auf die Idee ihr Leben zu verändern. Im Oktober 2005 schlossen sie sich dem Projekt von Ragna Protzen an, eine Spezialistin in der ökologischen Landwirtschaft und Samenfortpflanzung. So gründeten sie die Firma „Sabor y Salud“.
«Nun fahre ich mit einem einfachen Auto und einer kleinen Schachtel voll von diesen essbaren Wundern zu den Menschen und lasse sie diese probieren anstatt, dass ich ihnen die Theorie lang erkläre. Mich freut es zu sehen, wie die verschiedenen potentiellen Kunden reagieren, wenn sie unsere Produkte kosten, » sagt Thekla.
In der Produktpalette von “Sabor y Salud” finden sich mehr als 50 essbare Pflanzen, die eigenhändig ohne irgendwelche chemische Zusatzstoffe angebaut wurden. An Ideen und Projekten fehlt es ihnen nicht. Sie möchten “offizielle Lieferanten des Königshauses werden”.
Und all dies führte schließlich dazu, dass die dermatologische Erkrankung ihrer Tochter verschwand.
Christophe Van Mol aus Belgien
“Ich möchte ein Leben führen, in dem Arbeit nicht alles ist.”
Christophe Van Mol ist 23 Jahre alt und kommt aus Namur (Belgien), einer Stadt mit 140.000 Einwohnern, die eine halbe Stunde von der Hauptstadt Brüssel entfernt ist. Die letzten drei Jahre hat er ununterbrochen jeden Tag in der Woche in einer Pizzeria gearbeitet, von der er Miteigentümer war. Eines Tages beschloss er, seinen Teil zu verkaufen und sich selbstständig zu machen, aber dennoch mit dem Ziel, sein Sozial- und Familienleben nicht zu vernachlässigen. «Ich habe drei Jahre ohne Urlaub und ohne Pause gearbeitet. Ich konnte nicht einmal eine lange Beziehung mit einer Frau führen. Die Freundinnen, die ich hatte, haben es mit mir wegen der Arbeit nicht mehr als zehn Tage ausgehalten», sagt Christophe.
Im September 2005 beschloss der junge Belgier von Namur nach Vélez-Málaga zu ziehen, um dort seine eigene Pizzeria aufzumachen. «Hier in Spanien gehen die Menschen gerne essen und aus. Ich möchte nur abends öffnen und die Montage geschlossen haben. So würde ich Zeit haben, mein soziales Leben wieder aufzubauen», erzählt er.
Er beabsichtigt einige Neuheiten in seiner Pizzeria “Pizzamania” einzuführen, wie zum Beispiel die frischen Teigwaffeln, die heiß und mit verschiedenen Saucen serviert werden. «Es ist ein neues Konzept von Pasta, preiswert und gut. Dazu benötige ich eine Spezialmaschine, die es in Belgien gibt und die ich jetzt hier in Spanien patentieren lassen möchte. Die Maschine kann acht Teigwaffeln in nur 20 Sekunden machen», sagt er ganz stolz.
Handgemachte Produkte
Christophe Van Mol, der die Pizzas (er hat mehr als 50 verschiedene auf der Karte) eigenhändig und vor den Augen der Kunden machen möchte, wird ein System zur Zahlung mit Karte für die Pizzas, die nach Hause geliefert werden, einführen, so dass die Pizzalieferanten kein Geld bei sich haben müssen.
Der junge Belgier hat für seine Pizzeria und für seine zweite Chance eines der lebendigsten Stadtviertel von Vélez-Málaga ausgewählt, in der Straße Alcalde Manuel Reyna, wo viele junge verheiratete Paare leben. «Ich will mein Projekt umsetzen und versuchen, ein neues Leben zu führen, in dem Arbeit nicht alles ist.»








